12. Juni 2026

Die Tage in Preveza sollten eigentlich nur ein kurzer Zwischenstopp sein. Doch manchmal entstehen die schönsten Erlebnisse ganz spontan. Da es für Louisa in der sommerlichen Hitze kaum möglich war, sich konzentriert auf ihr Staatsexamen vorzubereiten, entschied sie sich kurzerhand, ihren Rückflug umzubuchen. Statt wie ursprünglich geplant am Sonntag von Zakynthos nach Deutschland zu fliegen, buchte sie ihre Heimreise für Dienstag direkt von Preveza um.

Für uns bedeutete das, nur noch zwei gemeinsame Urlaubstage. Eine Gelegenheit, die wir natürlich sofort nutzten, um mit einem Mietwagen die Umgebung zu erkunden und noch einige der schönsten Ecken des westgriechischen Festlands sowie der Insel Lefkada kennenzulernen.

Auf den Spuren der Antike – Besuch in Nikopolis

Unser erster Ausflug führte uns nur wenige Kilometer nördlich von Preveza nach Nikopolis. Die antike Stadt wurde im Jahr 31 v. Chr. von Kaiser Augustus gegründet, nachdem er in der berühmten Seeschlacht von Actium über Marcus Antonius und Kleopatra gesiegt hatte. Der Name „Nikopolis“ bedeutet übersetzt „Stadt des Sieges“, ein passender Name für eine Stadt, die einst zu den bedeutendsten Metropolen des östlichen Mittelmeerraums gehörte.

Besonders beeindruckt hat uns das antike Theater. Obwohl mehr als zweitausend Jahre vergangen sind, lassen sich die gewaltigen Ausmaße noch immer gut erkennen. Die halbkreisförmig angeordneten Zuschauerreihen steigen majestätisch den Hang hinauf, während die mächtigen Steinmauern erahnen lassen, welche Bedeutung dieser Ort einst hatte.

Hier fanden Theateraufführungen, Musikveranstaltungen und politische Versammlungen statt. Mit etwas Fantasie konnte man sich gut vorstellen, wie tausende Zuschauer auf den steinernen Rängen saßen und gespannt den Aufführungen lauschten.

Zwischen den alten Mauern herrschte heute dagegen eine fast meditative Ruhe. Nur das Zirpen der Zikaden begleitete unseren Spaziergang durch die Ausgrabungsstätte.

Ein zufälliges Treffen in Preveza

Zurück in Preveza erwartete uns am Abend eine besonders schöne Überraschung.

Beim gemütlichen Spaziergang über die Hafenpromenade trafen wir völlig unerwartet Gitti und Jörg von der Bruty sowie Thomas von der Offline. Zusammen mit Conny und Holger entstand sofort die Idee, den Abend gemeinsam in einer kleinen Taverne ausklingen zu lassen.

Wie so oft unter Seglern dauerte es keine fünf Minuten, bis Geschichten über Wetter, Ankerplätze und vergangene Reisen ausgetauscht wurden. Dazu gab es frisch gegrilltes leckeres Fleisch, griechische Vorspeisen und natürlich das eine oder andere Bier.

Besonders in Erinnerung bleiben wird uns allerdings nicht nur das Essen, sondern auch der außergewöhnliche Standort unseres Tisches.

Die schmale Altstadtgasse war eigentlich gleichzeitig Straße und Restaurant. Immer wenn sich ein Auto langsam seinen Weg durch die Gasse bahnte, mussten die Männer aufspringen, ihre Stühle zur Seite räumen und den Fahrern eine schmale Durchfahrt ermöglichen. Kaum war das Auto vorbei, wurden die Stühle wieder an ihren ursprünglichen Platz gerückt und das Gespräch ging weiter, bis zum nächsten Fahrzeug.

Ein herrlich typisch griechischer Abend voller Gelassenheit und Humor.

Lefkada – Wasserfälle, Kloster und traumhafte Ausblicke

Am nächsten Morgen machten wir uns früh auf den Weg zur Insel Lefkada.

Sie zählt zu den wenigen griechischen Inseln, die ohne Fähre erreichbar sind. Über eine schwimmende Drehbrücke ist sie mit dem Festland verbunden. Mehrmals täglich wird diese Brücke geöffnet, damit Schiffe den schmalen Kanal passieren können, ein faszinierendes Schauspiel, das wir wenig später noch aus einer ganz anderen Perspektive erleben sollten.

Erfrischung am Dimosari-Wasserfall

Unser erstes Ziel war der Dimosari-Wasserfall.

Nach einem kurzen Spaziergang durch schattigen Wald erreichten wir das kleine Naturparadies. Zwischen hohen Felsen stürzt das kristallklare Wasser in ein natürliches Becken, das selbst an heißen Sommertagen angenehm kühl bleibt.

Während ringsum die Temperaturen weit über 30 Grad kletterten, sorgte der Wasserfall für eine herrliche Erfrischung. Das Rauschen des Wassers, das satte Grün der Bäume und die schattigen Felsen bildeten einen wunderbaren Kontrast zur trockenen Sommerlandschaft.

Hoch über Lefkada – das Kloster Faneromeni

Anschließend führte uns die Straße hinauf zum Kloster Faneromeni.

Das bedeutendste Kloster der Insel wurde im 17. Jahrhundert erbaut und thront hoch über der Inselhauptstadt. Bereits die Lage macht den Besuch zu einem besonderen Erlebnis.

Die gepflegten Gärten, die wunderschöne Kirche und die ruhige Atmosphäre laden zum Verweilen ein. Von der Aussichtsterrasse eröffnet sich ein fantastischer Blick über die Lagune von Lefkada, die vorgelagerten Sandstrände und das tiefblaue Ionische Meer.

Ein Ort, an dem man problemlos deutlich länger hätte bleiben können.

Bummel durch Lefkada-Stadt

Zum Abschluss unseres Tages spazierten wir noch durch die Inselhauptstadt.Bunte Häuser mit venezianischen Einflüssen, kleine Boutiquen, gemütliche Cafés und schmale Gassen verleihen Lefkada-Stadt ihren ganz besonderen Charme.

Überall herrschte entspanntes Urlaubsleben. Während Einheimische gemütlich ihren Kaffee tranken, schlenderten Besucher durch die kleinen Geschäfte oder suchten Schutz vor der Nachmittagshitze unter den schattigen Arkaden.

Am Abend kehrten wir schließlich nach Preveza zurück.

Abschied von Louisa – und endlich wieder unter Segeln

Am Dienstag war es schließlich soweit. Für Louisa ging der Urlaub zu Ende und sie trat ihre Heimreise nach Deutschland an.

Für uns begann dagegen der nächste Abschnitt unserer Segelreise. Leinen los. Mit der Ventus verließen wir Preveza und setzten Kurs auf Lefkada. Bei herrlichem Segelwind glitten wir zügig über das ruhige Wasser und erreichten die Drehbrücke sogar früher als geplant. Da sie sich jedoch nur zu festen Zeiten öffnet, mussten wir zunächst vor Anker warten. Pünktlich um 14 Uhr begann sich die Brücke langsam zur Seite zu drehen. Fast dreißig Yachten hatten sich inzwischen vor der Durchfahrt versammelt und reihten sich wie eine lange Perlenkette hintereinander ein. Langsam fuhren wir gemeinsam durch den schmalen Lefkada-Kanal. Die Passage ist etwas ganz Besonderes.

Der künstlich angelegte Kanal trennt Lefkada vom Festland und ermöglicht Schiffen eine sichere Durchfahrt, ohne die flachen Lagunen umfahren zu müssen. Links und rechts ziehen Salzwiesen, kleine Fischerboote und idyllische Dörfer vorbei. Möwen kreisen über den flachen Gewässern, während sich das Wasser in unzähligen Blautönen präsentiert.

Kaum hatten wir den Kanal verlassen, erwartete uns erneut perfekter Segelwind. Den Rest des Tages verbrachten wir unter Segeln, bevor wir am Abend vor der Insel Meganisi einen ruhigen Ankerplatz fanden.

Atokos – Begegnung mit den berühmten Strandschweinen

Mit den ersten Sonnenstrahlen lichteten wir am nächsten Morgen den Anker. Diesmal blieb der Motor aus. Wir segelten mit der Ventus ganz entspannt über das glatte Wasser bis zur kleinen Privatinsel Atokos.

Die unbewohnte Insel gehört zu den landschaftlichen Perlen des Ionischen Meeres. Weiße Kalksteinfelsen fallen steil ins türkisblaue Wasser ab, dazwischen verstecken sich kleine Buchten mit glasklarem Wasser.

Unser Ziel war die berühmte One House Bay. Schon beim Einlaufen wussten wir, dass wir einen besonderen Ort erreicht hatten.

Wildschweine auf Tuchfühlung

Am Nachmittag folgte eines der außergewöhnlichsten Erlebnisse unserer bisherigen Reise. Plötzlich schwamm eine ganze Rotte Wildschweine direkt an der Ventus vorbei. Nicht nur ausgewachsene Tiere, sondern auch zahlreiche kleine Frischlinge paddelten völlig entspannt durch die Bucht.

Am Abend setzten wir mit dem Dinghy an Land, um die berühmten Strandschweine aus nächster Nähe zu beobachten. Die Tiere zeigten überhaupt keine Scheu. Einige ließen sich sogar streicheln, während eine besonders neugierige Sau mehrfach versuchte, in unser Dinghy einzusteigen. Direkt vor unseren Füßen lag eine Sau mit ihren Ferkeln und säugten ganz friedlich ihren Nachwuchs. Ein Bild, das wir sicher nie vergessen werden.

Als ich später noch den kleinen Weg hinauf zur Kapelle ging, erschrak ich allerdings kurz. Im dichten Gebüsch lagen zahlreiche weitere Wildschweine, die man zuvor überhaupt nicht bemerkt hatte. Zum Glück blieben sie genauso friedlich wie ihre Artgenossen am Strand.

Nach Sonnenuntergang wurde es vollkommen still. Über uns spannte sich ein Sternenhimmel, wie man ihn nur fernab jeder größeren Ortschaft erleben kann.

Kalamos – Entschleunigung pur

Am nächsten Morgen ging unsere Reise weiter. Allein das Vorsegel genügte, um uns nahezu lautlos bis zur Insel Kalamos zu ziehen. Dort fanden wir eine traumhafte Ankerbucht mit glasklarem Wasser. Zusätzlich brachten wir Landleinen aus und beschlossen spontan, gleich zwei Nächte zu bleiben. Hier schien die Zeit stillzustehen. Morgens standen Ziegen direkt am Strand. Tagsüber hörte man lediglich das leise Plätschern der Wellen. Kein Straßenlärm. Keine Menschenmassen.

Nicht einmal einen Bäcker gab es. Also wurde Fabian kurzerhand selbst zum Bäcker. Der Duft frisch gebackenen Brotes zog bald durch das gesamte Schiff und das Ergebnis konnte sich wirklich sehen und schmecken lassen.

Die ruhigen Tage nutzten wir zum Schwimmen, Lesen, Entspannen und vor allem dazu, einen kleinen Infekt vollständig auszukurieren. Manchmal braucht es nicht mehr als einen stillen Ankerplatz, etwas Sonne und viel Ruhe.

Kurs auf Ithaka – der Heimat des Odysseus

Eigentlich wollten wir anschließend nur die kleine Insel Kastos anlaufen. Doch der Wind hatte andere Pläne. Die Bedingungen waren einfach zu perfekt, um bereits nach wenigen Seemeilen wieder den Anker zu werfen. Also entschieden wir spontan, die Segel gesetzt zu lassen und Kurs auf Ithaka zu nehmen. Eine Entscheidung, die wir keine Minute bereuten.

Ankunft in Vathy

Am Nachmittag liefen wir in die tief eingeschnittene Bucht von Vathy ein. Sie gilt als einer der schönsten Naturhäfen Griechenlands. Geschützt von grünen Hügeln liegt der Hafen nahezu kreisrund in der Landschaft und bietet hervorragenden Schutz für Segler.

Da allerdings ein auflandiger Wind mit etwa 20 Knoten wehte, blieb Fabian vorsichtshalber an Bord der Ventus, während er das Boot im Blick behielt. Er setzte mich mit dem Dinghy an Land über.

Spaziergang durch die Hauptstadt des Odysseus

Vathy empfing mich mit genau jener entspannten Atmosphäre, die viele griechische Inselorte so besonders macht. Entlang der Uferpromenade reihen sich bunte Häuser im venezianischen Stil aneinander. Kleine Tavernen, gemütliche Cafés und liebevoll geführte Geschäfte laden zum Verweilen ein.

In den schmalen Gassen blühen Bougainvilleen über alten Natursteinmauern, Katzen schlafen im Schatten der Treppen und auf kleinen Plätzen sitzen Einheimische zusammen und beobachten das ruhige Treiben.

Überall begegnet einem der Name Odysseus. Denn kaum ein Ort ist so eng mit der griechischen Mythologie verbunden wie Ithaka. Der Sage nach kehrte der listenreiche Held nach dem Trojanischen Krieg erst nach zehn Jahren voller Abenteuer und Irrfahrten auf seine Heimatinsel zurück. Ob sein Palast tatsächlich hier stand, ist bis heute nicht eindeutig bewiesen. Dennoch spürt man überall auf der Insel die enge Verbindung zu dieser berühmten Geschichte. Vielleicht macht gerade dieses Zusammenspiel aus Mythologie, Geschichte und der beeindruckenden Natur den besonderen Zauber Ithakas aus.

Nach meinem Spaziergang kehrte ich mit vielen schönen Eindrücken zurück zur Ventus. Langsam verschwand die Sonne hinter den grünen Hügeln, jedoch der Wind ließ nicht nach und und ein Charterboot musste in viel zu dichter Nähe vor uns ankern, was uns beunruhigte und wir in Ankerwachen beobachteten. 

Viele Tage voller besonderer Begegnungen, traumhafter Landschaften und unvergesslicher Segelmomente liegen hinter uns und unsere Reise durch das ionische Paradies ist noch nicht vorbei.

Auf den Spuren des Odysseus – Mit der Ventus durch das ionische Paradies

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