05. Juli 2026
Nach unseren erlebnisreichen Tagen im Süden des Ionischen Meeres führte uns unsere Reise entlang der griechischen Festlandküste zunächst weiter in Richtung Norden nach Sivota. Schon der Weg dorthin war ein echtes Highlight. Die Küste präsentierte sich von ihrer beeindruckendsten Seite: steile, schroff aus dem Meer aufragende Felsen, geheimnisvolle Grotten und kleine Höhlen wechselten sich mit versteckten Buchten und türkisfarbenem Wasser ab. Immer wieder verlangsamten wir die Fahrt, um die faszinierenden Felsformationen vom Wasser aus zu bestaunen.
In Sivota angekommen, ließen wir den Anker in einer geschützten Bucht fallen. Natürlich wollten wir die vielen kleinen Höhlen und einsamen Buchten auch aus nächster Nähe erkunden. Dafür war unser Dinghy genau das richtige Transportmittel.
Doch bevor es losgehen konnte, stand zunächst eine eher unspektakuläre, aber notwendige Aufgabe an: Das Dinghy benötigte dringend frischen Treibstoff. Eigentlich hatten wir uns schon darauf eingestellt, die schweren Benzinkanister zu Fuß zur Tankstelle zu schleppen. Doch manchmal spielt einem das Glück genau im richtigen Moment in die Karten. Direkt im Hafen stand ein Tankwagen, der gerade Boote versorgte. Kurzerhand füllte uns der Fahrer 15 Liter Benzin direkt auf. Bequemer hätte es kaum laufen können und so konnten wir ohne Umwege zu unseren Erkundungstouren starten.
Mit dem Dinghy entdeckten wir kleine Höhlen, versteckte Badebuchten und glasklares Wasser, bevor wir später durch den malerischen Ort Sivota schlenderten. Der kleine Küstenort zählt nicht ohne Grund zu den schönsten Ferienorten auf dem griechischen Festland. Rund um den idyllischen Hafen reihen sich gemütliche Tavernen, Cafés und kleine Geschäfte aneinander. Die vorgelagerten, dicht bewaldeten Inseln schützen die Bucht und verleihen dem Ort eine besonders ruhige Atmosphäre. Überall herrschte entspannte Urlaubsstimmung . Segler, Badegäste und Einheimische genossen gleichermaßen das mediterrane Flair.
Den Abend verbrachten wir direkt an der Uferpromenade. Mit einem Cocktail in der Hand beobachteten wir, wie langsam der Vollmond über den Hügeln aufstieg und die gesamte Bucht in silbernes Licht tauchte. Das spiegelglatte Wasser reflektierte den Mondschein, während die Lichter der Tavernen auf der Wasseroberfläche tanzten. Es war einer dieser Momente, die man am liebsten festhalten möchte – ein perfekter Abschluss eines traumhaften Segeltages.
Gewitterdrama vor Korfu-Stadt
Am nächsten Morgen hieß es wieder: Anker auf. Unser Ziel war erneut Korfu-Stadt.
Zunächst verlief alles völlig ruhig. Doch kaum hatten wir den Anker sicher in der Bucht gesetzt, änderte sich das Wetter innerhalb weniger Minuten dramatisch. Dunkle Wolken schoben sich über die Insel, der Himmel wurde fast schwarz und plötzlich fegte eine heftige Gewitterfront über uns hinweg.
Der Wind nahm schlagartig zu und innerhalb kürzester Zeit bauten sich Wellen von bis zu zweieinhalb Metern Höhe in der eigentlich geschützten Ankerbucht auf. Die Ventus begann stark zu arbeiten und der Anker wurde enorm belastet.
Um den Zug auf den Anker zu reduzieren und das Boot sicher auszurichten, mussten wir den Motor starten und etwa eine Stunde lang gegen Wind und Wellen arbeiten. Während wir versuchten, unsere Position zu halten, spielte sich um uns herum ein regelrechtes Chaos ab.
Mehrere Yachten konnten ihren Anker nicht mehr halten und trieben unkontrolliert durch das Ankerfeld. Manche Boote kamen sich gefährlich nahe, andere wurden bis an die Steinmole gedrückt. Es war beeindruckend zu sehen, welche Kräfte ein plötzliches Sommergewitter entwickeln kann.
Erst als die Gewitterfront langsam weiterzog, kehrte wieder Ruhe ein. Der Wind ließ nach, die Wellen wurden kleiner und schließlich beruhigte sich auch das Meer.
Am nächsten Morgen bot sich ein völlig anderes Bild. Die Bucht lag spiegelglatt vor uns, als hätte das Unwetter nie stattgefunden. Nur einige verrutschte Ankerpositionen erinnerten noch an die turbulenten Stunden des Vortages.
Ein Ausflug ins grüne Herz Korfus
Den ruhigen Tag nutzten wir zunächst für einige Erledigungen in Korfu-Stadt, bevor wir am folgenden Morgen unseren reservierten Mietwagen abholten.
Unser erstes Ziel war das berühmte Kloster Paleokastritsa im Nordwesten der Insel. Schon die Fahrt dorthin führte durch grüne Hügellandschaften, kleine Bergdörfer und Olivenhaine.
Das Kloster thront hoch über der zerklüfteten Küste und bietet einen spektakulären Ausblick über das tiefblaue Ionische Meer. Von den Aussichtspunkten blickt man auf zahlreiche Buchten mit türkisfarbenem Wasser, schroffe Felsen und die dicht bewachsenen Hügel Korfus.
Das noch heute von Mönchen bewohnte Kloster ist liebevoll gepflegt. Kleine Innenhöfe, blühende Gärten, jahrhundertealte Gemäuer und zahlreiche religiöse Kunstwerke verleihen dem Ort eine ganz besondere Atmosphäre. Trotz der vielen Besucher strahlt das Kloster eine angenehme Ruhe aus. Für uns gehörte dieser Aussichtspunkt zweifellos zu den schönsten Plätzen der gesamten Insel.
Zu Besuch bei einer Olivenöl-Manufaktur
Nach dem Klosterbesuch führte uns der Weg weiter zu einer familiengeführten Olivenöl-Manufaktur.
Schon bei unserer Ankunft wurden wir herzlich empfangen. Während einer persönlichen Führung erklärte uns der Besitzer mit großer Begeisterung alles über die jahrhundertealten Olivenbäume, deren Pflege und die aufwendige Herstellung des preisgekrönten Olivenöls.
Besonders beeindruckend war die Leidenschaft, mit der hier gearbeitet wird. Man spürte sofort, dass es sich nicht einfach um einen landwirtschaftlichen Betrieb handelt, sondern um ein echtes Familienprojekt mit langer Tradition.
Natürlich durfte am Ende auch eine Verkostung nicht fehlen. Oliven und Öl konnten probiert werden. Eine große Flasche fand schließlich als köstliche Erinnerung ihren Weg an Bord der Ventus.
Abschied von Moritz
Die letzten gemeinsamen Abende mit Moritz verbrachten wir noch einmal in den verwinkelten Gassen von Korfu-Stadt.
Zwischen venezianischen Fassaden, kleinen Plätzen und gemütlichen Restaurants ließen wir die vergangenen gemeinsamen 10 Tage Revue passieren. Es wurde viel gelacht und erzählt, bevor am nächsten Morgen der Abschied bevorstand.
Für Moritz ging es zurück nach Deutschland und für uns mit Louisa hingegen war die Reise noch lange nicht zu Ende.
Noch einmal nach Paxos
Bevor wir endgültig Kurs auf das Festland nahmen, machten wir noch einen Zwischenstopp auf Paxos.
Dort gönnten wir uns einen entspannten Badetag in einer traumhaften Bucht. Das Wasser war kristallklar, schimmerte in unzähligen Blautönen und lud immer wieder zum Schnorcheln und Schwimmen ein. Nach den aufregenden Tagen war dieser ruhige Zwischenstopp genau das Richtige.
Noch vor Sonnenaufgang am nächsten Morgen lichteten wir den Anker. Während die ersten Sonnenstrahlen den Himmel orange färbten, motorten wir südwärts in Richtung Preveza.
Das erste Anlegemanöver mit Buganker
In Preveza erwarteten uns bereits Conny und Holger, die freundlicherweise einen Liegeplatz an der Stadtmole für uns organisiert hatten.
Da die eigentlichen Katamarane momentan nicht vor Ort waren, sollten wir unseren Buganker werfen und anschließend rückwärts zwischen zwei bereits festgemachten Yachten anlegen.
Eigentlich ein normales Hafenmanöver in Griechenland, zumindest in der Theorie.
Schon beim Fallenlassen des Ankers hatte ich jedoch ein ungutes Gefühl. Und leider bestätigte sich dieses kurze Zeit später.
Ausgerechnet bei unserem allerersten Anlegemanöver mit Buganker an einer Stadtpier verfing sich unser Anker in der Muringkette, die quer in der Fahrrinne auf dem Grund verläuft.
Der Anker ließ sich weder vor noch zurück bewegen.
Schließlich blieb nichts anderes übrig, als professionelle Hilfe zu rufen.
Ein Taucherteam machte sich an die Arbeit. Nach mehreren Versuchen, einer zweiten Druckluftflasche und dem Einsatz eines Hebesacks gelang es schließlich, den verkeilten Anker wieder zu befreien.
Die Aktion dauerte deutlich länger als erhofft und war am Ende alles andere als günstig. Dennoch überwog die Erleichterung, dass weder die Ventus noch Anker beschädigt wurden.
Manchmal gehören genau solche Erfahrungen einfach zum Seglerleben dazu, ärgerlich in diesem Moment, aber äußerst lehrreich für alle zukünftigen Hafenmanöver.
Preveza – maritimes Flair und griechische Lebensfreude
Nachdem der erste Schreck überwunden war, konnten wir endlich die Stadt genießen.
Preveza überraschte uns sofort mit ihrem besonderen Charme. Die lebendige Hafenstadt verbindet venezianische Architektur mit typisch griechischer Gelassenheit. Enge Gassen, kleine Plätze, bunte Häuser, unzählige Cafés und Tavernen sowie die palmengesäumte Promenade laden dazu ein, stundenlang durch die Altstadt zu schlendern.
Gleichzeitig zählt Preveza zu den wichtigsten Ausgangshäfen für Segler im Ionischen Meer. Rund um die Stadt befinden sich zahlreiche Marinas und Werften, wodurch hier eine lange maritime Tradition spürbar ist.
Am Abend erwachte die Altstadt erst richtig zum Leben. Die Restaurants füllten sich, Musik erklang aus den Bars und überall saßen Menschen bis spät in die Nacht zusammen.
Bei gutem Essen und vielen Gesprächen ließen wir die vergangenen, ereignisreichen Tage noch einmal Revue passieren. Zwischen romantischen Vollmondnächten, einem heftigen Gewitter vor Anker, traumhaften Ausblicken auf Korfu und unserem ersten kleinen Hafenabenteuer in Preveza war diese Etappe erneut voller unvergesslicher Erlebnisse

