26. Juli 2026
Nach den beeindruckenden Erlebnissen rund um die Keri Cliffs zog es uns weiter in die Bucht von Laganas – eines der bekanntesten Naturparadiese Griechenlands. Unser Ziel war die kleine Insel Marathonisi, die viele auch einfach als „Schildkröteninsel“kennen. Da wir den Trubel der zahlreichen Ausflugsboote vermeiden wollten, klingelte der Wecker bereits früh am Morgen.
Noch bevor die ersten Touristenschiffe unterwegs waren, machten wir uns mit unserem Dinghy auf den Weg. Die Bucht lag fast spiegelglatt vor uns, nur das leise Plätschern des Wassers durchbrach die morgendliche Stille. Genau diese Ruhe machte den Ausflug zu etwas ganz Besonderem.
Da das Betreten großer Teile der Insel sowie das Ankern unmittelbar davor zum Schutz der Natur streng geregelt sind, brachte mich Fabian mit dem Dinghy nur bis in einiger Entfernung an den Strand. Die letzten Meter watete ich allein durch das kristallklare Wasser an Land.
Schon nach wenigen Schritten entdeckte ich die charakteristischen Schleifspurenim Sand, deutliche Hinweise darauf, dass hier in den vergangenen Nächten Meeresschildkröten unterwegs gewesen waren.
Die Heimat der Caretta caretta
Marathonisi gehört zu den wichtigsten Brutgebieten der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) im gesamten Mittelmeer. Zwischen Mai und August kehren die weiblichen Schildkröten jedes Jahr an genau diese Strände zurück, um ihre Eier tief im warmen Sand abzulegen.
Damit die Gelege geschützt bleiben, werden die Nester markiert und abgesperrt. Nach rund 50 bis 60 Tagen schlüpfen die winzigen Schildkröten meist nachts und orientieren sich am Licht des Horizonts, um den Weg ins Meer zu finden. Doch nur ein kleiner Bruchteil der Jungtiere erreicht später das Erwachsenenalter. Umso wichtiger sind die umfangreichen Schutzmaßnahmen in der Bucht von Laganas, die als Meeresschutzgebiet ausgewiesen wurde.
An diesem Morgen hatten wir zwar kein Glück, eine Schildkröte zu sehen, dennoch war dieser Ort etwas ganz Besonderes. Die unberührte Natur, das glasklare Wasser und die völlige Ruhe machten diesen Moment unvergesslich.
Segeln nach Zakynthos-Stadt
Zurück an Bord unserer Ventus setzten wir Kurs auf Zakynthos-Stadt. Die rund 18 Seemeilen lange Strecke führte uns bei angenehmen Bedingungen entlang der Küste. Nach wenigen Stunden erreichten wir den Hafen und gingen vor der langen Pier vor Anker.
Ein großer Vorteil, ein Tanklaster auf der Pier entlang, den wir spontan stoppten. Statt schwere Dieselkanister mühsam über lange Strecken transportieren zu müssen, konnten wir den Tank bequem direkt am Boot auffüllen, eine kleine Erleichterung, die auf einer längeren Segelreise schnell zum echten Luxus wird.
Der Hafen selbst ist lebendig und authentisch. Fischerboote liegen neben Segelyachten, regelmäßig legen Fähren an oder verlassen den Hafen, und entlang der Promenadeherrscht bis spät in den Abend reges Leben. Trotzdem wirkt alles angenehm entspannt, typisch griechisch eben.
Mediterranes Flair in der Altstadt
Am Abend zog es uns in die Fußgängerzone von Zakynthos-Stadt. Zwischen kleinen Boutiquen, gemütlichen Tavernen, Cafés und Eisdielen herrschte eineentspannte Atmosphäre. Aus den Restaurants strömte der Duft von gegrilltem Fisch, frischen Kräutern und Knoblauch, während Einheimische und Besuchergemeinsam den lauen Sommerabend genossen.
Es sind genau diese Momente, die man auf einer Segelreise besonders schätzt: einfach durch unbekannte Gassen schlendern, das Leben beobachten und sich treiben lassen.
Mit dem Mietwagen ins Inselinnere
Am nächsten Morgen tauschten wir das Dinghy gegen einen Mietwagen und erkundeten das Inselinnere.
Viele verbinden Zakynthos ausschließlich mit traumhaften Stränden und türkisblauem Wasser. Doch schon nach kurzer Zeit wurde klar, dass die Insel deutlich mehr zu bieten hat.
Schmale Straßen schlängeln sich durch sanfte Hügel, vorbei an uralten Olivenhainen, kleinen Bergdörfern und schroffen Felslandschaften. Immer wieder mussten wir anhalten, weil frei laufende Ziegen mitten auf der Straße standen und keinerlei Anstalten machten, Platz zu machen.
Besonders beeindruckend war das satte Grün der Insel. Tausende Olivenbäume prägen das Landschaftsbild. Viele Familien besitzen ihre eigenen kleinen Haineund produzieren seit Generationen hochwertiges Olivenöl.
Mitten auf Zakynthos steht außerdem einer der ältesten Olivenbäume Griechenlands. Sein gewaltiger, verwachsener Stamm erzählt von Jahrhunderten voller Geschichte und macht deutlich, welche Bedeutung der Olivenanbau bis heute für die Insel besitzt.
Der berühmteste Aussichtspunkt der Insel
Natürlich durfte auch ein Besuch des wohl bekanntesten Aussichtspunktes Griechenlands nicht fehlen.
Hoch über der Navagio-Bucht eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf das weltberühmte Schiffswrack. Von oben wirken die Farben fast surreal: das strahlend weiße Kalkgestein, das intensiv türkisblaue Wasser und das rostige Wrack ergeben zusammen eines der bekanntesten Fotomotive Griechenlands.
Selbst wenn man die Bilder schon unzählige Male gesehen hat, ist der erste Blick über die Klippen ein Moment, den man nicht vergisst.
Überraschender Besuch im Hafen
Zurück an Bord erwartete uns schließlich doch noch die Begegnung, auf diewir insgeheim gehofft hatten.
Direkt zwischen den Fischerbooten tauchten plötzlich zwei Caretta-caretta-Schildkröten auf. Ganz entspannt drehten sie ihre Runden im Hafenbecken, tauchten immer wieder auf und verschwanden erneut unter der Wasseroberfläche. Es wirkte fast so, als würden sie miteinander spielen.
Wir beobachteten sie lange und genossen diesen besonderen Moment.
Alltag an Bord
Auch wenn eine Segelreise oft nach purem Abenteuer aussieht, gehört natürlich auch der ganz normale Alltag dazu.
Die Wäsche musste gewaschen werden, die dicke Salzschicht von unserer Ventus gespült werden und bei den sommerlichen Temperaturen war eine kühle Dusche zwischendurch mehr als willkommen.
Gerade diese Mischung aus Alltag und außergewöhnlichen Erlebnissen macht das Leben an Bord so besonders.
Wanderung nach Bohali
Da kräftiger Wind angekündigt war, nutzte ich die Gelegenheit für eine Wanderung hinauf nach Bohali., während Fabian auf der Ventus wachte, Der stetige Anstieg bei hochsommerlichen Temperaturen brachte mich ordentlichins Schwitzen. Doch jeder Höhenmeter lohnte sich.
Oben angekommen bot sich ein fantastischer Panoramablick über Zakynthos-Stadt, den Hafen und unsere Ventus, die vor der Pier vor Anker lag.
Nur wenige Minuten weiter erhebt sich das venezianische Kastell von Bohali.
Die Festung stammt ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert und diente den Venezianern über viele Jahrhunderte als wichtigste Verteidigungsanlage der Insel. Heute führen schattige Wege durch die alten Mauern und vorbei an den Überresten ehemaliger Gebäude.
Besonders nachdenklich machten mich die alten Gefängniszellen innerhalb der Festung. Von dort blickten die Gefangenen einst direkt hinaus auf das glitzernde Meer. Freiheit zum Greifen nah und doch unerreichbar.
Geschichte und traumhafte Aussicht verschmelzen hier auf beeindruckende Weise.
Markttag in Zakynthos
Zurück in der Stadt herrschte reges Treiben.
Es war Samstag – Markttag.
Bauern aus der Region boten frisches Obst, Gemüse, Kräuter, Honig, Käse und viele weitere regionale Spezialitäten an. Natürlich nutzten auch wir die Gelegenheit, unsere Vorräte aufzufüllen.
Besonders begeistert waren wir von den heimischen süßen Zwiebeln der Insel, die jedem griechischen Salat ein unverwechselbares Aroma verleihen.
Ein stiller Abschluss
Zum Abschluss unseres Aufenthalts besuchten wir noch die orthodoxe Kirche direkt an der Hafenpromenade.
Während draußen das geschäftige Leben tobte und die Wellen gegen die Hafenmauer schlugen, herrschte im Inneren eine angenehme Ruhe. Goldene Ikonen, kunstvolle Wandmalereien und der Duft von Weihrauch sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre.
Ein schöner Ort, um die vielen Eindrücke der vergangenen Tage noch einmal Revue passieren zu lassen.
Abschied von Zakynthos
Am nächsten Morgen heißt es schließlich wieder: Leinen los und Anker auf! Wir verlassen Zakynthos mit vielen unvergesslichen Erinnerungen im Gepäck. Die Begegnungen mit den Caretta-caretta-Schildkröten, die spektakulären Ausblicke über die Navagio-Bucht, das venezianische Kastell, die ursprünglichen Bergdörferund das entspannte Leben in der Hafenstadt haben diese Insel für uns zu einem echten Highlight unserer Reise gemacht.
Der Wind meint es eigentlich gut mit uns, nur leider kommt er genau von vorne. Statt die Segel zu setzen, bleibt uns daher nichts anderes übrig, als den Motor zu starten und Kurs auf unser nächstes Ziel zu nehmen.
Welche Abenteuer dort auf uns warten, wissen wir noch nicht. Genau diese Ungewissheit ist es aber, die das Leben auf einem Segelboot so spannend macht. Hinter jedem Horizont wartet ein neues Kapitel unserer Reise.

