26. September 2026
Nach unserem intensiven Aufenthalt in Deutschland tat es unglaublich gut, wieder italienischen Boden unter den Füßen zu haben. Die Ventus wartete bereits im Hafen auf uns, bereit für neue Meilen. Wir warfen die Leinen in Brindisi los und nahmen Kurs Richtung Norden. Nach einem kurzen Zwischenstopp im lebhaften Bari zog es uns weiter nach Trani – ein Ort, den wir im Mai schweren Herzens hatten auslassen müssen. Doch nach so vielen begeisterten Empfehlungen stand fest: Dieses Mal segeln wir nicht vorbei. Und was soll ich sagen? Dieser Ort hat uns schlichtweg umgehauen.
Trani: Wo die Kathedrale aus dem Meer erwächst
Trani empfängt einen mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Das Herzstück der Stadt ist der wunderschön geschützte, halbrunde Hafen, um den sich das städtische Leben wie ein Hufeisen schmiegt. Wir vertäuten die Ventus und machten uns sofort auf Entdeckungstour durch die kleinen, charmanten Gassen der Altstadt.
Der absolute Höhepunkt ist die Kathedrale San Nicola Pellegrino. Sie steht so nah an der Kaimauer, dass man das Gefühl hat, sie würde direkt aus dem azurblauen Meer emporwachsen. Der helle Kalkstein strahlt im Sonnenlicht eine unglaubliche Ruhe aus. Von dort aus schlenderten wir weiter zum imposanten Castello Svevo, einer mächtigen Küstenfestung aus der Stauferzeit.
Doch neben all der Geschichte gab es ein ganz lebendiges Highlight, das uns völlig verzaubert hat: Überall am Hafen und in den Bäumen fliegen kleine, leuchtend grüne Mönchssittiche umher. Es war für mich ein absoluter Genuss, im Café zu sitzen und diese exotischen Papageien bei ihrem munteren Treiben zu beobachten.
Familienzuwachs in Bari und ein ungemütlicher Schlag nach Norden
Nach zwei entdeckungsreichen Tagen in Trani hieß es für uns kurzzeitig: Umsteigen auf die Schiene. Wir nahmen den Zug zurück nach Bari, denn dort gab es einen großen Grund zur Vorfreude: Unsere Tochter Louisa kam an! Sie war über Kroatien geflogen, wo sie Oma und Opa besucht hatte, und bereicherte nun unsere Crew. Den Abend verbrachten wir zu dritt in den schmalen, pulsierenden Gassen der Altstadt von Bari. Wir genossen das lebhafte italienische Treiben, aßen fantastisch zu Abend und fuhren spätabends glücklich mit dem Zug zurück nach Trani zu unserem schwimmenden Zuhause.
Der nächste Morgen begann früh – sehr früh. In den tiefen, kühlen Morgenstunden legten wir ab und steuerten die Ventus hinaus in die Dunkelheit. Unser Ziel: Vieste an der Spitze der Gargano-Halbinsel. Der Tag startete vielversprechend mit tollem Segelwind und die Ventus machte gut Fahrt. Doch die Adria ist immer für eine Überraschung gut. Im Laufe des Tages drehte der Wind komplett gegenan. Die letzten Seemeilen wurden bei den harten, kurzen Wellen zu einer ziemlich ungemütlichen Angelegenheit. Doch die Ventus lief sicher und am Ende machten wir wohlbehalten im Hafen von Vieste fest.
Vieste: Weiße Klippen, Schildkröten-Retter und die Legende von Pizzomunno
Vieste ist ein absolutes visuelles Meisterwerk. Die Stadt ist spektakulär auf weißen, steil abfallenden Kalksteinfelsen direkt über dem Meer erbaut. Gemeinsam mit Louisa machten wir uns an die Erkundung der historischen Altstadt. Weil die Wege hier angenehm kurz sind, ließ sich auch der anstehende Bunkereinkauf völlig entspannt erledigen.
Den darauffolgenden Tag widmeten wir ganz der Entspannung. Am Strand blühte Louisa regelrecht auf und spielte im Sand wie in alten Zeiten. Bei unseren ausgiebigen Strandspaziergängen zeigte sich wieder ihr großes Herz für die Natur: Unermüdlich sammelte sie angespülten Müll ein und entsorgte ihn, um die in dieser Region gefährdeten Meeresschildkröten zu schützen. Nach dem Baden in der Brandung und einem Cappuccino im gemütlichen Strandcafé ließen wir den Abend locker in den engen Gassen ausklingen.
Am nächsten Tag stand das unumstrittene Wahrzeichen von Vieste auf dem Programm: der Südstrand (Spiaggia del Castello). Hier ragt der berühmte Pizzomunno in die Höhe – ein monumentaler, 25 Meter hoher weißer Kalksteinfelsen, der völlig isoliert aus dem Sandstrand emporragt. Um diesen Koloss rankt sich eine der bekanntesten Liebeslegenden Italiens über einen treuen Fischer, der vor Kummer über seine von neidischen Meerjungfrauen geraubte Liebste zu Stein erstarrte. Wir spazierten die lange, weite Bucht bis zum ganz am Ende entlang, genossen das herrlich warme Wasser und die Sonne auf der Haut. Es war die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, denn in der darauffolgenden Nacht zog ein heftiges Sommergewitter mit Blitz und Donner über den Gargano hinweg.
Roadtrip durch den Gargano: Markttrubel, Abschied und Banksy im Schloss
Für die nächsten zwei Tage suchten wir uns Abwechslung an Land und mieteten uns ein Auto. Unser erster Ausflug führte uns ins Landesinnere nach Foggia. Wir wollten Louisa das pure, unbeschönigte italienische Leben zeigen – und wo geht das besser als auf einem traditionellen, wuseligen Markt? Ein absolutes Fest für die Sinne aus Düften, Rufen und frischen Produkten. Auf dem Rückweg folgten wir der malerischen Nordküste des Gargano zurück nach Vieste.
Am nächsten Morgen hieß es dann leider schon wieder Abschied nehmen, denn Louisas Woche bei uns war um. Wir fuhren entlang der beeindruckenden, kurvenreichen Küstenstraße zurück nach Bari, wo ihr Rückflug auf sie wartete.
Um den Abschiedsschmerz ein bisschen zu lindern, bauten wir auf dem Rückweg nach Vieste einen Kultur-Stopp in Barletta ein. Das dortige, mächtige Stauferkastell ist schon für sich genommen eine Besichtigung wert. Als genialer Bonus lief dort im historischen Gemäuer gerade eine Ausstellung der Werke des weltberühmten Street-Art-Künstlers Banksy – ein fantastischer Kontrast aus jahrhundertealter Festungsarchitektur und moderner, gesellschaftskritischer Kunst. Über die atemberaubende Panorama-Küstenstraße ging es schließlich zurück zu unserem Schiff.
Leinen los in der Dunkelheit
Es ist noch tiefste Nacht, kurz vor dem Morgengrauen, als wir die Leinen losmachen. Während die Lichter von Vieste langsam im Dunst der Dunkelheit hinter uns verblassen und die Felsenstadt am Horizont verschwindet, schiebt sich der Bug der Ventus wieder hinaus aufs offene Meer. Die Segel sind bereit für den nächsten Wind.

