21. August 2026
Manchmal kommt es einfach anders als geplant. Ein kleiner Notfall hatte unsere ursprünglichen Pläne über den Haufen geworfen und wir mussten eine Entscheidung treffen: Sollten wir zurück nach Korfu Stadt fahren? Das wären etwa 38 Seemeilen gewesen. Oder sollten wir die Gelegenheit nutzen und direkt nach Italien übersetzen? Bis zur italienischen Küste waren es rund 46 Seemeilen.
Die Entscheidung fiel schließlich ziemlich schnell: Wir fahren nach Italien!
Endlich wieder unter Segeln
Die erste Stunde unserer Überfahrt mussten wir allerdings noch unter Motor zurücklegen. Der Wind ließ zunächst auf sich warten. Doch dann stellte sich endlich leichter Wind ein und wir beschlossen, den Genacker zu setzen.
Und plötzlich war sie da – diese ganz besondere Ruhe.
Der Motor verstummte und auf einmal hörten wir nur noch das Rauschen des Wassers und den Wind, der durch das Segel strömte. Genau für solche Momente lieben wir das Segeln.
Doch die Ruhe hielt nicht ewig an. Der Wind nahm stetig zu und als wir schließlich bei etwa 15 Knoten angekommen waren, wurde es Zeit, den Genacker wieder zu bergen. Mit Groß- und Vorsegel ging es weiter Richtung Italien.
Und dann war es tatsächlich so weit: Nach fast drei Monaten in Griechenland holten wir die griechische Gastlandflagge ein und setzten die italienische Flagge.
Italien!
Ankunft in Otranto
Die italienische Küste begrüßte uns allerdings zunächst nicht gerade mit strahlendem Sonnenschein. Regen und Gewitter zogen über die Küste und sorgten für eine eher dramatische Ankunft.
Zum Glück hatten wir trotzdem Glück und erreichten Otranto trocken. In der großen Bucht fanden wir einen passenden Platz und konnten endlich den Anker werfen und erst einmal durchatmen.
Nachdem der Anker sicher eingefahren war, stand für mich allerdings noch ein wichtiger Termin an: der Besuch im Krankenhaus.
Zum Glück gibt es jetzt Entwarnung. Meine Nierenbeckenentzündung ist inzwischen ausgeheilt. Eine große Erleichterung!
Während ich mich an Bord noch etwas erholte, nutzte Fabian die Zeit und ging an Land. Er erkundete Otranto, besichtigte die Stadt und erledigte gleichzeitig unsere Einkäufe. Später holte ich ihn dann mit unserem Dinghy wieder ab.
Und weil ich mich an Bord natürlich nicht langweilen wollte, probierte ich kurzerhand ein griechisches Rezept aus. Was soll ich sagen? Es war so lecker, dass es definitiv nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass ich dieses Gericht gekocht habe.
Unser erster Tag in Otranto
Nachdem die Medikamente richtig angeschlagen hatten und es mir wieder deutlich besser ging, machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Otranto.
Unser Dinghy parkten wir am Dock und dann hieß es erst einmal: typisch italienisches Frühstück!
Kaffee und etwas Süßes, mehr braucht es manchmal gar nicht, um einen Tag perfekt zu beginnen.
Anschließend ging es zur Kathedrale von Otranto.
Und die ist wirklich beeindruckend.
Das eigentliche Highlight befindet sich allerdings im Inneren. Dort liegt ein riesiger Mosaikboden aus dem 12. Jahrhundert, der sich fast durch das gesamte Kirchenschiff zieht.
Im Mittelpunkt steht der sogenannte Baum des Lebens. Seine Äste breiten sich über den gesamten Boden aus und dazwischen entdeckt man unzählige Figuren, Tiere, Fabelwesen und Geschichten.
Man könnte wahrscheinlich stundenlang dort stehen und würde trotzdem immer wieder neue Details entdecken.
Auch die Krypta unterhalb des Altarbereichs ist beeindruckend. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert und wird von zahlreichen Säulen getragen.
Doch in der Kathedrale gibt es noch einen besonders bewegenden Ort: die Kapelle der Märtyrer von Otranto.
Dort werden die sterblichen Überreste von 800 Männern aufbewahrt, die im Jahr 1480 nach der Eroberung der Stadt getötet wurden.
Nach so viel Geschichte brauchten wir allerdings erst einmal etwas Bewegung.
Auf zur Torre del Serpe
Also machten wir uns zu Fuß auf den Weg entlang der Küste. Unser Ziel war die Torre del Serpe, der sogenannte Schlangenturm.
Der Weg dorthin hatte es allerdings in sich. Die Sonne brannte und während wir uns langsam entlang der Küste nach oben kämpften, begegneten uns jede Menge Geckos und Ameisen.
Nach einiger Zeit erreichten wir schließlich den Turm.
Von der Torre del Serpe ist heute zwar nicht mehr allzu viel erhalten, aber die Lage direkt über der Küste ist einfach fantastisch. Der Turm diente früher als Wachturm beziehungsweise Leuchtturm und über ihn gibt es natürlich auch eine passende Legende.
Der Geschichte nach soll jede Nacht eine riesige Schlange zur Spitze des Turms geklettert sein und das Öl aus der Leuchte getrunken haben. Dadurch erlosch das Feuer und die Schiffe konnten sich nicht mehr orientieren.
Ob diese Geschichte wirklich stimmt?
Wahrscheinlich eher nicht.
Aber sie erklärt zumindest, warum der Turm bis heute den Namen „Schlangenturm“ trägt.
Für uns war vor allem der Ausblick beeindruckend. Von dort oben hatten wir einen tollen Blick über die Küste und das tiefblaue Wasser.
Anschließend wollten wir noch eine Grotte besuchen. Doch kurz vor unserem Ziel kam die Ernüchterung: Ein Schild warnte vor Einsturzgefahr.
Also beschlossen wir, unser Glück lieber nicht herauszufordern. Die Grotte musste auf unserer Liste für ein anderes Mal bleiben.
Wir machten uns wieder auf den Rückweg nach Otranto, schlenderten noch ein wenig durch die engen Gassen und verbrachten den Nachmittag ganz entspannt an Bord in der Hängematte.
Das Castello Aragonese
Am nächsten Tag stand bereits das nächste Highlight auf dem Programm: das Castello Aragonese von Otranto.
Die mächtige Festung wurde Ende des 15. Jahrhunderts unter den Aragonesen errichtet und später immer wieder verstärkt. Schon beim Betreten bekommt man einen Eindruck davon, welche strategische Bedeutung Otranto früher als militärischer Stützpunkt hatte.
Für mich kam das eigentliche Highlight allerdings erst oben auf den Mauern.
Von dort hatten wir einen herrlichen Blick über die gesamte Bucht von Otranto. Und wieder einmal wurde uns bewusst, wie unglaublich schön diese Küste eigentlich ist.
Weiter Richtung Norden
Am nächsten Morgen hieß es dann wieder:
Anker auf!
Wir verließen Otranto und segelten ein paar Meilen weiter nach Norden. Vor der Küste fanden wir einen wunderschönen Ankerplatz mit tollen Grotten.
Also hieß es wieder: Dinghy ins Wasser und auf Entdeckungstour!
Die Küste war einfach fantastisch. Türkisblaues Wasser, beeindruckende Felsen und überall kleine Höhlen und Grotten. Genau solche Plätze machen das Leben an Bord so besonders.
Danach ging unsere Reise weiter Richtung Norden. Der Wind hatte inzwischen ordentlich zugelegt und wir konnten uns einfach vom Vorsegel ziehen lassen.
Und das machte richtig Spaß!
Wir zischten durch das immer mehr aufbrausende Wasser und genossen die Geschwindigkeit.
Doch kurz vor unserem geplanten Ankerplatz wollten wir das Vorsegel bergen und plötzlich ließ es sich nicht mehr einrollen.
Super!
Mitten auf dem Wasser hatten wir nun ein Problem.
Uns blieb keine andere Wahl. Wir mussten das Segel komplett herunterholen und zunächst einmal an Deck befestigen. Erst vor Anker konnten wir uns in Ruhe auf die Fehlersuche machen.
Zum Glück fanden wir schließlich den Fehler und konnten mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages das Vorsegel wieder einrollen.
Wieder einmal ein kleiner Schreckmoment, der uns gezeigt hat, dass beim Segeln eben nicht immer alles nach Plan läuft.
Mit dem SUP nach Punta Penne
Am nächsten Tag ging es für mich auf dem SUP weiter.
Ich paddelte zum Strand von Punta Penne bei Brindisi und schaute mir dort die alte Leuchtturmanlage sowie die wunderschöne Lagunenlandschaft an.
Eine richtig schöne kleine Tour und eine tolle Möglichkeit, die Küste einmal aus einer anderen Perspektive zu entdecken.
Doch danach wurde es wieder deutlich unruhiger.
Die Nacht war mit ordentlich Schwell alles andere als ruhig. Das Boot wurde immer wieder bewegt und an wirklich erholsamen Schlaf war kaum zu denken.
Umso mehr freuten wir uns am nächsten Morgen darauf, wieder unterwegs zu sein.
Unser Ziel: Brindisi.
Dort hatten wir bereits einen Liegeplatz im Hafen reserviert.
Ankunft in Brindisi
Brindisi ist eine unglaublich geschichtsträchtige Hafenstadt. Schon die Römer nutzten den großen Naturhafen und die berühmte Via Appia endete hier.
Bis heute ist Brindisi ein wichtiger Hafen für den Verkehr über die Adria und ins östliche Mittelmeer.
Und dann kam unsere Hafeneinfahrt.
Ziemlich eng!
Aber Fabian hat das Anlegemanöver wieder einmal perfekt gemeistert. Kaum lagen wir fest, hatte er auch schon den Hafenmeister kennengelernt.
Die beiden verstanden sich auf Anhieb super.
Das Ganze lief übrigens hauptsächlich über den Übersetzer. Aber offensichtlich braucht man nicht unbedingt dieselbe Sprache, um sich gut zu verstehen.
Nach kurzer Zeit waren die beiden jedenfalls schon dicke Freunde.
Nachdem wir festgemacht hatten, erkundeten wir noch Brindisi. Wir schlenderten durch die Altstadt, ließen die Atmosphäre der alten Hafenstadt auf uns wirken und genossen unseren letzten gemeinsamen Abend an Bord.
Und plötzlich heißt es Abschied nehmen
Nun steht für uns ein ziemlich großer Schritt an.
Wir verlassen unsere Ventus vorerst.
Und ehrlich gesagt fühlt sich das ziemlich komisch an.
Die Ventus war in den vergangenen Monaten unser Zuhause, unser Transportmittel und natürlich der Mittelpunkt unseres gesamten Abenteuers. Wir haben auf ihr unzählige schöne Momente erlebt, neue Orte entdeckt, Herausforderungen gemeistert, ruhige Nächte vor Anker verbracht und so manches kleines Problem gelöst.
Aber es ist noch nicht vorbei, nur das Verkehrsmittel ändert sich.
Was jetzt kommt?
Das verraten wir noch nicht.

