14. Juni 2026

Nach unserer Wanderung in den Süden von Paxos am Vortag stand heute die Westküste der kleinen Ionischen Insel auf dem Programm. Die Landschaft zeigte hier eine völlig andere Seite der Insel als die sanften Buchten im Osten. Entlang der Küste erheben sich beeindruckende weiße Kalksteinfelsen steil aus dem Meer. Über Jahrtausende haben Wind und Wellen Höhlen, Grotten und bizarre Felsformationen in das Gestein geformt. Das intensive Blau des Ionischen Meeres bildet dazu einen spektakulären Kontrast. Immer wieder stoppten wir kurz, um einen Blick in die Höhlen zu werfen oder die besonderen Formationen zu bestaunen.

Unsere Ventus lag weiterhin sicher vor Anker in der Lakka Bay, einem Ort, der mit seinem fast unwirklich türkisblauen Wasser jedes Mal aufs Neue begeistert. Selbst nach mehreren Tagen konnten wir uns an diesem Farbenspiel nicht sattsehen. Je nach Sonnenstand wechselte das Wasser zwischen hellem Türkis, tiefem Azurblau und smaragdgrünen Schattierungen. Einer dieser Plätze, an denen man gerne noch viel länger bleiben würde.

Am Nachmittag machten wir das Dinghy klar und fuhren aus der geschützten Bucht hinaus. Unser Ziel war eine kleine, abgelegene Bucht an der Westküste von Paxos, die wir bereits vom Wasser aus entdeckt hatten. 

In der kleinen Badebucht angekommen, konnten wir natürlich nicht widerstehen. Das Wasser war glasklar und lud sofort zum Schwimmen ein. Wir erkundeten die kleinen Grotten, schwammen entlang der Felsen und genossen einfach die Ruhe dieses besonderen Ortes. Es sind genau diese Momente: kein Zeitdruck, keine Menschenmengen, nur das Meer, die Natur und das Gefühl von Freiheit.

Abschied von Paxos

Am nächsten Morgen hieß es dann leider Abschied nehmen. So gerne wir noch länger geblieben wären, unser Weg führte uns zurück nach Korfu.

Die Bedingungen für die Überfahrt waren angenehm und wir machten uns früh auf den Weg Richtung Korfu-Stadt. Unterwegs begegneten wir mehreren Fischern, die bereits mit ihrer Arbeit beschäftigt waren und ihre Netze ausbrachten. Solche Begegnungen gehören zum Alltag auf dem Wasser und vermitteln immer ein Stück authentisches Inselleben.

Ganz ohne kleine Herausforderungen verlief die Fahrt allerdings nicht. Unser defektes Wassersystem beschäftigte uns weiterhin. Dadurch sammelte sich Frischwasser in der Bilge, das Fabian ausschöpfen musste. Man muss die Dinge manchmal einfach positiv sehen: Immerhin handelte es sich um sauberes Frischwasser und nach dem Ausschöpfen waren die Bilgen wieder blitzblank.

Während Fabian unter Deck beschäftigt war, genoss ich die Fahrt an Deck, beobachtete die Umgebung und hielt Ausschau nach anderen Booten. Dabei wurde ich plötzlich mit einem ganz besonderen Erlebnis belohnt: Eine Gruppe Delfine tauchte neben der Ventus auf und begleitete uns ein Stück unseres Weges. Immer wieder erschienen sie an der Wasseroberfläche und verschwanden genauso schnell wieder in den Tiefen des Meeres. Solche Begegnungen lassen einen jedes Mal innehalten und machen solche Strecken zu etwas Besonderem.

Ankern vor Korfu-Stadt

Direkt vor Korfu-Stadt gingen wir schließlich vor Anker. Noch bevor wir den Tag ausklingen lassen konnten, stand eine weitere Aufgabe an: Das Großsegel musste heruntergenommen und ordentlich verstaut werden.

Wer hauptsächlich das Segelbergen im Hafen kennt, merkt schnell, dass sich die Arbeit vor Anker etwas anders gestaltet. Das Boot bewegt sich ständig leicht in Wind und Welle, wodurch jede Handbewegung etwas mehr Aufmerksamkeit erfordert. Dennoch funktionierte alles problemlos, und das Segel war schnell ordentlich zusammengelegt.

Am nächsten Morgen wurde dann auch unser beschädigtes Segel abgeholt. Direkt am Dinghy-Dock wartete bereits der Segelmacher, der das Segel zur Reparatur mitnahm. Wieder ein Punkt auf der Liste erledigt.

Alltag an Bord

Die folgenden Tage standen ganz im Zeichen des Bordalltags. Donnerstag und Freitag nutzten wir für kleinere Reparaturen und verschiedene Besorgungen. Auch der Wäschetag durfte natürlich nicht fehlen.

Wer länger auf einem Boot lebt, weiß, dass solche Tage genauso zum Seglerleben gehören wie traumhafte Buchten und perfekte Segelbedingungen. Wartungsarbeiten, Einkäufe organisieren, Wasser auffüllen, Wäsche waschen, all das bildet den unsichtbaren Teil des Bordlebens.

Umso schöner war es, dass wir uns am Samstagmorgen zunächst ganz entspannt einen Cappuccino gönnten, bevor wir uns auf den Weg machten, Korfu-Stadt zu erkunden.

Zu Fuß durch Korfu-Stadt

Korfu-Stadt zog uns sofort in ihren Bann. Die Altstadt besitzt eine ganz besondere Atmosphäre und unterscheidet sich deutlich von vielen anderen griechischen Städten. Überall spürt man die Einflüsse der Venezianer, Franzosen und Briten, die die Geschichte der Insel geprägt haben.

Wir schlenderten durch die engen, verwinkelten Gassen, vorbei an kleinen Geschäften, Cafés und schattigen Plätzen. Hinter jeder Ecke eröffnete sich ein neues Fotomotiv. Die alten Häuser mit ihren charakteristischen Fassaden verleihen der Stadt einen unverwechselbaren Charme.

Auf dem Wochenmarkt herrschte reges Treiben. Händler boten frisches Obst und Gemüse an, Fischer präsentierten ihren Fang und überall mischten sich Stimmen, Düfte und Farben zu diesem typischen mediterranen Markttreiben.

Auch der kleine Fischerhafen vermittelte eine besondere Stimmung. Die bunten Boote lagen dicht nebeneinander, als hätte sich dort seit Jahrzehnten kaum etwas verändert.

Von der Neuen Festung zur Alten Festung

Unser Weg führte uns weiter zur Neuen Festung, deren mächtige Mauern noch heute über der Stadt thronen. Einst diente sie als wichtiger Bestandteil der Verteidigung von Korfu und schützte den Hafen vor Angreifern.

Von dort aus liefen wir durch alte Tore und entlang der historischen Stadtmauern weiter Richtung Alte Festung. Diese liegt auf einer markanten Halbinsel und ist über einen Damm mit der Altstadt verbunden.

Schon von unten beeindruckte die Anlage durch ihre Größe. Als wir nach oben blickten, fiel die Entscheidung schnell: Wenn wir schon hier sind, laufen wir auch bis ganz hinauf zum Leuchtfeuer.

Der Aufstieg lohnte sich.

Oben angekommen wurden wir mit einem fantastischen Panoramablick belohnt. Unter uns lagen die Dächer von Korfu-Stadt, dahinter das tiefblaue Meer und direkt vor uns unser Ankerplatz, an dem die Ventus ruhig vor Anker lag. Solche Perspektiven machen einem erst bewusst, wie besonders das Leben auf einem Segelboot eigentlich ist.

Klein trifft riesig

Der Rückweg zur Ventus machten wir mit unserem Dinghy, welches wir im Hafen an einem Dinghy-Dock festgemacht hatten. Und dort im Hafen lag eine beeindruckende Megayacht.

Daneben stand ein kleiner Fiat 500, der plötzlich wie ein Spielzeugauto wirkte. Der Größenunterschied war so extrem, dass wir unweigerlich schmunzeln mussten. Manchmal sagen solche Bilder mehr als viele Worte.

Zurück auf der Ventus gab es dann nur noch eines: Füße ins Wasser. Nach den vielen Kilometern durch die Stadt war das die perfekte Erfrischung.

Mit dem Mietwagen über Korfu

Heute tauschten wir schließlich für einen Tag das Boot gegen ein Auto und wollten Korfu einmal vom Land aus erkunden.

Unser erster Stopp führte uns in den Norden der Insel zum berühmten Canal d’Amour. Der Ort ist für seine außergewöhnlichen Felsformationen bekannt und von einer romantischen Legende umgeben. Der Überlieferung nach sollen Paare, die gemeinsam durch den Kanal schwimmen, für immer zusammenbleiben.

Die Realität vor Ort war allerdings etwas weniger romantisch als erwartet. Der Platz war deutlich voller als gedacht, und auch das Wasser präsentierte sich nicht ganz so klar, wie wir es uns vorgestellt hatten. Trotzdem waren die Felsformationen beeindruckend und einen Besuch wert.

Anschließend ging es quer über die Insel. Korfu zeigte sich dabei von seiner grünen Seite. Dichte Olivenhaine, Zypressen, kleine Dörfer und immer wieder spektakuläre Ausblicke aufs Meer machten die Fahrt zu einem Erlebnis.

Besuch beim Achilleion

Unser nächstes Ziel war das Achilleion, die ehemalige Sommerresidenz von Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als Sisi und später auch Aufenthaltsort von Kaiser Wilhelm II.

Leider war das Schloss selbst geschlossen und konnte nicht besichtigt werden. Die Außenanlagen waren jedoch zugänglich, sodass wir zumindest einen Eindruck von der Anlage gewinnen konnten.

Besonders beeindruckend war die Lage. Von den Terrassen aus eröffnet sich ein weiter Blick über die Insel und das Meer. Auch wenn die Anlage an einigen Stellen etwas in die Jahre gekommen wirkt, lässt sich gut nachvollziehen, warum sich Sisi genau diesen Ort als Rückzugsort ausgesucht hatte.

Vorbereitung auf den Besuch

Wenn man schon einmal mobil ist, kann man das Angenehme natürlich auch mit dem Praktischen verbinden.

Deshalb führte uns der letzte Programmpunkt des Tages nicht zu einer Sehenswürdigkeit, sondern in den Supermarkt. Ein großer Einkauf stand an, denn in weniger als zwei Wochen bekommen wir Besuch an Bord.

Noch einmal türkisblau – dann zurück nach Korfu

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