07. Juni 2026
Manchmal schreibt das Reisen die schönsten Geschichten ganz von allein. Unser Abschied von Italien war so ein Moment, den wir sicherlich nicht vergessen werden.
Eigentlich waren wir bereits früh ins Bett gegangen. Nach den vielen Eindrücken und Erlebnissen der vergangenen Tage freuten wir uns auf eine ruhige Nacht vor Anker. Doch plötzlich wurden wir von lauten Knallen aus dem Schlaf gerissen. Im ersten Moment schossen uns die wildesten Gedanken durch den Kopf. War uns vielleicht ein anderes Boot zu nahe gekommen? Hatte jemand die Ankerkette gerammt? Noch halb verschlafen schauten wir nach draußen – und wurden überrascht.
Am Ende der Mole, ganz in unserer Nähe, begann ein spektakuläres Feuerwerk. Raketen stiegen in den Nachthimmel und tauchten die Bucht in bunte Farben. Was für ein Abschiedsgruß! Italien verabschiedete uns mit einer Show, die schöner kaum hätte sein können.
Überfahrt von Otranto nach Korfu
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker früh. Gemeinsam mit einer weiteren Segelyacht holten wir den Anker hoch und verließen Otranto mit Kurs auf Griechenland. Vor uns lagen rund 70 Seemeilen bis Korfu.
Die Adria zeigte sich zunächst von ihrer ruhigen Seite. Der Wind ließ auf sich warten, sodass wir die ersten Stunden unter Motor zurücklegen mussten. Doch mit zunehmender Entfernung von der italienischen Küste frischte der Wind endlich auf. Die Segel konnten gesetzt werden und wir segelten am Wind unserem nächsten großen Ziel entgegen.
Langsam verschwindet das bekannte Land am Horizont, während vor einem ein neues Abenteuer wartet. Als schließlich die Küstenlinie Korfus sichtbar wurde, stieg die Vorfreude noch einmal deutlich an.
Nach knapp 70 Seemeilen erreichten wir eine wunderschöne Ankerbucht im Norden der Insel. Das glasklare Wasser leuchtete in den unterschiedlichsten Blau- und Türkistönen und lud förmlich dazu ein, hineinzuspringen. Diesem Angebot konnten wir natürlich nicht widerstehen.
Mit angenehmen 20,6 Grad Celsius war das Wasser zwar noch erfrischend, aber einfach herrlich. Nach der Überfahrt gab es kaum etwas Schöneres, als im klaren Ionischen Meer zu schwimmen und die Ankunft in Griechenland zu genießen.
Wanderung nach Kassiopi – Geschichte und Ausblicke
Am nächsten Morgen brachte mich Fabian mit dem Dinghy an Land. Von dort aus machte ich mich auf den Weg nach Kassiopi, einem der bekanntesten Orte im Nordosten Korfus.
Schon beim Spaziergang durch die kleinen Gassen wurde schnell klar, warum der Ort bei Besuchern so beliebt ist. Kassiopi verbindet den Charme eines traditionellen Fischerdorfes mit einer langen Geschichte. Bereits in der Antike war der Ort ein wichtiger Hafen. Hoch über der Bucht befinden sich die Überreste einer byzantinischen Festung, die einst die Küste schützte.
Der Aufstieg zur Burg wird mit fantastischen Ausblicken belohnt. Von hier oben reicht der Blick über die Dächer des Ortes, das tiefblaue Meer und bis hinüber zur albanischen Küste. Gleichzeitig spürt man zwischen den alten Mauern die bewegte Geschichte dieser Region.
Zurück im Hafen herrscht dagegen entspanntes Urlaubsleben. Kleine Cafés, Tavernen und Fischerboote prägen das Bild und laden dazu ein, das griechische Lebensgefühl zu genießen.
Zeit zum Durchatmen
Nach den vielen Seemeilen und den zahlreichen Ortswechseln der vergangenen Wochen legten wir bewusst einen Ruhetag ein.
Die letzte Woche in Italien war geprägt von neuen Eindrücken, langen Etappen und vielen organisatorischen Aufgaben. So genossen wir es, einfach an Bord zu bleiben, zu lesen, zu schwimmen und die Ruhe der Ankerbucht auf uns wirken zu lassen.
Diese Tage gehören für uns genauso zum Segeln wie lange Überfahrten oder spannende Landgänge. Oft sind es gerade die ruhigen Stunden an Bord, die eine Reise besonders machen.
Zwischen Korfu und Albanien nach Petriti
Am Donnerstag stand die nächste Etappe auf dem Programm. Allerdings machte uns zunächst ein Gewitter einen Strich durch die Rechnung. Dunkle Wolken zogen über die Insel und wir entschieden uns, die Entwicklung erst einmal abzuwarten.
Eine Entscheidung, die sich als richtig erwies.
Gegen Mittag hatte sich das Wetter beruhigt und wir konnten unseren Kurs fortsetzen. Mit angenehmem Wind von achtern segelten wir durch die Meerenge zwischen Korfu und dem albanischen Festland. Die Landschaft rechts und links des Bootes bot beeindruckende Ausblicke und machte die Etappe zu einem besonderen Erlebnis.
Vorbei an Korfu-Stadt ging es weiter Richtung Süden nach Petriti.
Der kleine Fischerort gilt noch immer als Geheimtipp auf Korfu. Große Hotelanlagen sucht man hier vergeblich. Stattdessen bestimmen traditionelle Fischerboote, kleine Tavernen und eine entspannte Atmosphäre das Bild. Entlang der Uferpromenade scheint die Zeit etwas langsamer zu vergehen.
Für uns war Petriti genau der richtige Ort, um einen ruhigen Abend vor Anker zu verbringen und das authentische Griechenland kennenzulernen.
Kurs auf Paxos
Am Samstag hieß es erneut: Anker auf.
Gemeinsam mit unserem Buddyboot Melody nahmen wir Kurs auf die Insel Paxos. Unser Ziel war Lakka im Norden der Insel.
Leider zeigte sich der Wind an diesem Tag wenig kooperativ. Die See war spiegelglatt und die Segel blieben die meiste Zeit ungenutzt. So legten wir die gesamte Strecke unter Motor zurück.
Auch das gehört zum Segeln dazu.
Als wir schließlich die Einfahrt nach Lakka erreichten, waren die fehlenden Windstunden jedoch schnell vergessen.
Lakka – Ein Bilderbuchhafen im Ionischen Meer
Lakka gilt nicht ohne Grund als einer der schönsten Naturhäfen Griechenlands. Die geschützte Bucht ist von grünen Hügeln und alten Olivenhainen umgeben. Das Wasser schimmert in unzähligen Blau- und Türkistönen und wirkt fast unwirklich klar.
Schon bei der Einfahrt bot sich ein traumhafter Anblick. Zahlreiche Segelboote lagen vor Anker, während sich entlang der Uferpromenade kleine Tavernen und Cafés aneinanderreihten.
Nachdem wir den Ort erkundet hatten, zog es uns natürlich wieder ins Wasser. Die Farben des Meeres sind hier kaum zu beschreiben – man muss sie eigentlich selbst gesehen haben.
Eine Sache war für uns allerdings noch ungewohnt: die enorme Dichte der Ankerlieger. In Lakka liegen die Boote teilweise sehr nah beieinander. Wo wir sonst gerne etwas mehr Abstand haben, scheint hier jeder freie Meter genutzt zu werden.
Viele Segler bringen vorsorglich ihre Fender aus, damit beim Schwojen keine Schäden entstehen, falls sich Boote näher kommen. Für die erfahrenen Segler im Ionischen Meer völlig normal – für uns eine neue Erfahrung, an die wir uns wohl erst noch gewöhnen müssen.
Zu Fuß über Paxos – Von Lakka nach Gaios
Nach dem entspannten Tag in der traumhaften Bucht von Lakka stand für uns wieder einmal Bewegung auf dem Programm. Während wir die Insel bisher hauptsächlich vom Wasser aus kennengelernt hatten, wollten wir diesmal einen Blick auf das Inselinnere von Paxos werfen.
Der Morgen begann auf typisch griechische Art. Noch bevor die Sonne ihre volle Kraft entfalten konnte, wurden wir vom Krähen eines Hahns geweckt. Ein Wecker war also nicht nötig. Die Geräuschkulisse der Natur übernahm diese Aufgabe zuverlässig.
Gemeinsam mit Conny von unserem Buddyboot Melody machten wir uns auf den Weg, unser Ziel war Gaios, der Hauptort von Paxos. Die Strecke von Lakka nach Gaios beträgt etwa 8,5 Kilometer und führt quer über die Insel.
Was auf der Karte zunächst recht überschaubar aussah, entpuppte sich unterwegs als deutlich sportlicher, als wir erwartet hatten.
Durch Olivenhaine und über die Hügel von Paxos
Schon kurz hinter Lakka begann der Weg anzusteigen. Anfangs waren wir noch voller Elan unterwegs, doch je weiter wir kamen, desto häufiger stellten wir fest, dass die nächste Kurve offenbar immer noch nicht der höchste Punkt der Strecke war.
Gefühlt bestanden die 8,5 Kilometer aus mindestens sieben Kilometern bergauf.
Natürlich ist das etwas übertrieben – aber während der Wanderung fühlte es sich tatsächlich so an. Immer wieder führte der Weg über sanfte Hügel, vorbei an alten Natursteinmauern, kleinen Kapellen und jahrhundertealten Olivenbäumen, die das Landschaftsbild von Paxos prägen.
Paxos ist bekannt für seine riesigen Olivenhaine. Viele der Bäume wurden bereits vor Jahrhunderten gepflanzt und verleihen der Insel ihren unverwechselbaren Charakter. Die schmalen Wege schlängeln sich durch die silbrig-grünen Baumkronen und bieten immer wieder schöne Ausblicke auf die Küste.
Besonders beeindruckend waren die Panoramablicke auf das tiefblaue Ionische Meer. Mit jeder gewonnenen Höhenmeter eröffneten sich neue Perspektiven auf die Buchten, Küstenabschnitte und das offene Wasser rund um die Insel.
So wurden die Anstiege wenigstens mit fantastischen Aussichten belohnt.
Unterwegs begegneten wir nur wenigen Menschen. Stattdessen begleiteten uns Vogelgezwitscher und die friedliche Ruhe der Insel. Genau diese Mischung aus Natur, Gelassenheit und mediterranem Flair macht für uns den besonderen Reiz von Paxos aus.
Ankunft in Gaios
Nach einigen Stunden erreichten wir schließlich Gaios, den größten Ort der Insel.
Schon bei der Ankunft wird deutlich, warum Gaios als das Herz von Paxos gilt. Der Ort schmiegt sich rund um einen natürlichen Hafen, der durch die vorgelagerten Inseln Panagia und Agios Nikolaos hervorragend geschützt wird. Dadurch wirkt die Wasserfläche fast wie ein kleiner See, obwohl man sich direkt am Meer befindet.
Entlang der Hafenpromenade reihen sich pastellfarbene Häuser, kleine Geschäfte, gemütliche Cafés und traditionelle Tavernen aneinander. Fischerboote teilen sich die Liegeplätze mit Segelyachten aus aller Welt und verleihen dem Hafen sein lebendiges, aber dennoch entspanntes Flair.
Trotz seiner Beliebtheit hat sich Gaios viel von seinem ursprünglichen Charakter bewahrt. Hier geht es deutlich ruhiger zu als in vielen anderen Urlaubsorten Griechenlands. Statt großer Hotelanlagen bestimmen kleine Gassen, blühende Balkone und freundliche Tavernen das Ortsbild.
Wir schlenderten durch die Straßen, beobachteten das bunte Treiben am Hafen und genossen die entspannte Atmosphäre. Nach der Wanderung schmeckte die wohlverdiente Pause natürlich besonders gut.
Wieder in Lakka angekommen, wartete auf Fabian bereits die nächste Aufgabe.
Während wir die Insel erkundet hatten, war ihm ein anderer Gedanke durch den Kopf gegangen: Wie sieht es eigentlich unter unserem Boot aus?
Dieser sogenannte Bewuchs erhöht den Wasserwiderstand und kann die Segeleigenschaften sowie den Treibstoffverbrauch deutlich verschlechtern.
Also schnappte sich Fabian seine Tauscherausrüstung und verschwand unter Wasser, um einen Blick auf den Zustand unseres Unterwasserschiffs zu werfen.
Die Überraschung war erfreulich.
Bis auf wenige kleine Anhaftungen war das Unterwasserschiff in einem erstaunlich guten Zustand. Von starkem Bewuchs keine Spur. Damit blieb uns eine aufwendige Reinigungsaktion erspart – eine Arbeit, die unter Wasser schnell mehrere Stunden dauern kann und nicht gerade zu den Lieblingsbeschäftigungen eines Seglers gehört.
So konnte Fabian schon nach kurzer Zeit wieder an Bord kommen und Entwarnung geben.
Griechenland, wir sind angekommen
Mit Kassiopi, Petriti, Lakka und Gaios haben wir unsere ersten griechischen Ziele erreicht – und schon jetzt begeistert uns das Ionische Meer mit seiner Schönheit.
Kristallklares Wasser, malerische Häfen, geschichtsträchtige Orte und die entspannte griechische Lebensart machen Lust auf mehr. Unser Segelabenteuer in Griechenland hat gerade erst begonnen, und wir freuen uns auf viele weitere Inseln, Buchten und unvergessliche Begegnungen.
Eines steht bereits fest: Der Start hätte kaum schöner sein können. Vom nächtlichen Feuerwerk in Italien bis zu den türkisfarbenen Buchten Griechenlands war diese Woche voller besonderer Momente, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden.

