31. Mai 2026

Nach unseren erlebnisreichen Tagen in Kroatien stand der nächste große Abschnitt unserer Reise bevor: die Überquerung der Adria nach Italien. Vor uns lagen rund eine Woche entlang der Küste Apuliens mit historischen Hafenstädten, beeindruckenden Felslandschaften, kleinen Herausforderungen und vielen unvergesslichen Momenten.

Von Lastovo nach Vieste – die Adriaüberquerung

Noch lange vor Sonnenaufgang klingelte der Wecker. Um fünf Uhr morgens verließen wir den Hafen des Inselnaturparks Lastovo gemeinsam mit zwei weiteren Segelyachten und nahmen Kurs nach Westen. Unser erstes Ziel auf italienischer Seite war Vieste.

Während die Dunkelheit langsam dem Morgen wich, stieg die Sonne über dem Horizont empor und tauchte die Adria in warme Orange- und Goldtöne. Die See zeigte sich zunächst von ihrer ruhigen Seite. Wir genossen die entspannte Überfahrt, die Weite des Meeres und die besondere Atmosphäre am frühen Morgen. Sogar für ein kleines Nickerchen blieb zwischendurch Zeit.

Als schließlich die italienischen Gewässer erreicht waren, hissten wir die Gastlandflagge Italiens. Ein besonderer Moment, der uns bewusst machte, dass ein neuer Abschnitt unserer Reise begann. Kurz darauf wurde die See etwas unruhiger, doch am Nachmittag liefen wir sicher in den Hafen von Vieste ein.

Vieste – das weiße Juwel des Gargano

Vieste zählt ohne Zweifel zu den schönsten Orten an der Küste Apuliens. Die historische Altstadt liegt spektakulär auf einem Felsen über dem Meer und begeistert mit ihren engen Gassen, weiß getünchten Häusern und zahlreichen Aussichtspunkten über die Adria.

Besonders bekannt ist Vieste für seine beeindruckenden Kalksteinformationen, die zahlreichen Meereshöhlen entlang der Küste und den berühmten Felsen Pizzomunno, der direkt am Strand aus dem Wasser ragt. Einer alten Legende zufolge wurde hier ein junger Fischer von eifersüchtigen Meerjungfrauen in Stein verwandelt.

Nach unserem Rundgang durch die Altstadt schlenderten wir noch über einen kleinen Markt. Dort kauften wir frische Oliven und selten haben wir welche gegessen, die so aromatisch und geschmackvoll waren wie diese.

Ein unerwarteter Zwischenfall

Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen direkt weiter nach Trani segeln. Doch bereits beim Ablegen änderten sich unsere Pläne schlagartig.

Beim Manövrieren tuschierten wir einen Muringstein. Unsere Ventus wurde durch den Aufprall abrupt gestoppt. Obwohl zunächst nichts Auffälliges zu erkennen war, wollten wir auf Nummer sicher gehen. Da der Hafen von Vieste über keinen Kran verfügte, entschieden wir uns, unseren ursprünglichen Plan zu ändern und stattdessen nach Manfredonia zu fahren.

Die Fahrt führte entlang der spektakulären Küste des Gargano. Weiße Kalkfelsen, versteckte Grotten und steile Klippen wechselten sich ab und boten beeindruckende Ausblicke. Trotzdem blieb das ungute Gefühl bestehen. Während der gesamten Fahrt kontrollierten wir regelmäßig die Kielbolzen und achteten aufmerksam auf mögliche Veränderungen.

Erleichterung in Manfredonia

In Manfredonia angekommen, hofften wir zunächst auf einen schnellen Krantermin. Leider war kein Termin verfügbar. Deshalb entschieden wir uns für eine andere Lösung und beauftragten einen Taucher, das Unterwasserschiff zu kontrollieren.

Die Erleichterung war riesig, als die Entwarnung kam. Die Kielnaht war vollständig intakt. Lediglich eine kleine Schramme an der Vorderkante des Kiels zeugte von der Berührung mit dem Muringstein.

Nachdem die Sorge verschwunden war, konnten wir den restlichen Nachmittag entspannt genießen und die Stadt erkunden.

Manfredonia liegt am Fuß der Halbinsel Gargano und wurde im 13. Jahrhundert von König Manfred gegründet. Die Stadt besitzt eine charmante Altstadt, eine schöne Uferpromenade und das imposante Castello Svevo-Angioino, das bis heute über den Hafen wacht. Trotz ihrer langen Geschichte wirkt die Stadt angenehm authentisch und vermittelt echtes süditalienisches Lebensgefühl.

Bari – zwischen Altstadt und Hafengebiet

Am nächsten Morgen setzten wir die Segel in Richtung Bari.

Unser Liegeplatz befand sich zunächst in einem Hafenbereich innerhalb des Zollgebietes. Bereits der erste Einkauf entwickelte sich zu einem kleinen Abenteuer. Fabian versuchte mit unserem Bollerwagen seinen Weg im Straßenverkehr zu finden, was sich deutlich schwieriger gestaltete als gedacht.

Am folgenden Tag brachte uns ein Shuttlebus in die historische Altstadt.

Bari ist die Hauptstadt Apuliens und vereint auf faszinierende Weise modernes Stadtleben mit jahrhundertealter Geschichte. Besonders beeindruckend ist die Altstadt Bari Vecchia. Enge Gassen, kleine Plätze, historische Kirchen und unzählige versteckte Ecken laden zum Erkunden ein.

Natürlich besuchten wir auch die berühmte Basilika San Nicola, die dem Schutzpatron der Stadt gewidmet ist. Fast an jeder Ecke konnten wir außerdem beobachten, wie Frauen vor ihren Häusern die traditionellen Orecchiette-Nudeln von Hand herstellten – eine Tradition, die hier bis heute lebendig geblieben ist.

Zwischen den alten Mauern und den verwinkelten Gassen spürt man das echte Süditalien mit all seinem Charme und seiner Lebendigkeit.

Auf dem Weg nach Brindisi

Nach unserem Aufenthalt in Bari ging es weiter Richtung Süden.

Bereits am frühen Morgen liefen wir aus und begleiteten den Sonnenaufgang auf See. Zunächst herrschten gute Bedingungen, doch nach und nach ließ der Wind immer weiter nach. Gleichzeitig nahm die Dünung zu.

Das Großsegel ließen wir zur Stabilisierung gesetzt. Als bei mir schließlich die ersten Anzeichen von Seekrankheit auftraten, übernahm ich das Steuer vom Autopiloten. Das aktive Steuern half mir, die Bewegungen des Bootes besser auszugleichen und mich auf etwas anderes als die Übelkeit zu konzentrieren.

Kurz vor dem Hafen bargen wir das Großsegel. Sofort begann die Ventus deutlich stärker in den Wellen zu rollen. Umso angenehmer war es, schließlich in das ruhige Hafenbecken einzulaufen.

Dort wartete gleich der nächste beeindruckende Anblick: Wir fuhren direkt neben einem riesigen Kreuzfahrtschiff vorbei. In solchen Momenten wird einem bewusst, wie klein das eigene Segelboot im Vergleich tatsächlich ist.

Brindisi – Schildkröten, Waschsalon und ein Lost Place

Der nächste Morgen begann dagegen vollkommen entspannt.

Während wir im Cockpit frühstückten, schwamm plötzlich eine Schildkröte direkt an unserem Boot vorbei. Solche Begegnungen gehören zu den besonderen Momenten einer Segelreise und bleiben lange in Erinnerung.

Etwas weniger erfreulich verlief der weitere Tag: Unsere Waschmaschine verabschiedete sich endgültig. Zum Glück fanden wir im Hafen einen Waschsalon und konnten unsere Wäsche dort reinigen.

Während die frisch gewaschenen Kleidungsstücke an Deck trockneten, machten wir uns auf den Weg zu einer nahegelegenen Burgruine. Leider mussten wir feststellen, dass die Anlage geschlossen war.

Der Rückweg brachte jedoch eine unerwartete Überraschung. Wir entdeckten einen verlassenen Gebäudekomplex, einen echten Lost Place. Die verlassenen Häuser wurden langsam von der Natur zurückerobert. Pflanzen wucherten durch Fenster und Mauern, und überall waren Spuren vergangener Zeiten zu erkennen. Es war faszinierend, durch die Ruinen zu streifen und sich vorzustellen, welches Leben hier einst stattgefunden haben mag.

Otranto – die letzte Nacht in Italien

Unsere Reise entlang der italienischen Küste führte uns schließlich weiter nach Otranto.

Da der Wind ausblieb, übernahm der Motor die Arbeit. Vor den Toren der Stadt gingen wir vor Anker.

Fabian brachte mich mit dem Beiboot an Land, damit ich noch einige Besorgungen erledigen und die Stadt erkunden konnte.

Otranto ist die östlichste Stadt Italiens und beeindruckt durch ihre einzigartige Lage am Eingang zur Adria. Die mächtige Festung, die historischen Stadtmauern und die verwinkelten Gassen verleihen der Altstadt einen ganz besonderen Charakter. Weiße Häuser, kleine Plätze und das glasklare Wasser schaffen eine Atmosphäre, die sofort Urlaubsgefühle weckt.

Während ich durch die Gassen schlenderte und den Blick über das Meer schweifen ließ, wurde mir bewusst, dass dies vorerst unsere letzte Nacht in Italien sein würde.

Am nächsten Morgen würden wir Kurs setzen, diesmal nach Südosten. Die italienische Küste würde langsam hinter dem Horizont verschwinden und ein neues Kapitel unserer Reise beginnen.

Doch die Erinnerungen an diese Woche in Apulien würden bleiben: die beeindruckenden Küstenlandschaften des Gargano, die historischen Städte, die Schildkröte beim Frühstück und viele kleine Momente, die diese Reise so besonders gemacht haben.

Eine Woche Italien – Nach der Adriaüberquerung entlang Apuliens Küste

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