Manchmal bestimmt nicht der eigene Plan den Rhythmus einer Reise, sondern der Wind. Genau so begann auch unsere Weiterfahrt entlang der kroatischen Küste. Während kräftige Böen über Izola hinwegfegten, blieb die Ventus sicher im Hafen. Wir nutzten die Pause ganz entspannt für Einkäufe, Spaziergänge durch die Stadt und einen letzten Kaffee mit Blick aufs Meer. Die Luft war frisch, die Straßen deutlich leerer als an anderen sonnigen Tagen, und dennoch hatte Izola mit seinen kleinen Gassen und dem venezianischen Flair einen ganz besonderen Charme.
Als sich das Wetterfenster schließlich öffnete, hieß es wieder: Leinen los. Unser Kurs führte uns südwärts entlang der istrischen Küste – mit dem Ziel Rovinj.
Rovinj – Eine der schönsten Städte Istriens
Schon die Einfahrt nach Rovinj war ein Erlebnis. Die Altstadt erhebt sich malerisch auf einer kleinen Halbinsel direkt aus dem Meer, die bunten Häuser scheinen beinahe übereinander gebaut zu sein und darüber thront weithin sichtbar die Kirche der Heiligen Euphemia. Vom Wasser aus wirkt Rovinj fast wie eine kleine italienische Küstenstadt – romantisch, lebendig und voller Geschichte.
Da der Hafen gut gefüllt war, machten wir an einer Boje fest und bereiteten unser Dinghi vor, um an Land zu gelangen. Diese kleinen Fahrten mit dem Beiboot gehören von nun an fest zum Bordalltag und haben ihren ganz eigenen Reiz.
Nach unserer Ankunft am Land empfing uns eine bezaubernde Atmosphäre: verwinkelte Kopfsteinpflastergassen, kleine kreative Ateliers, einladende Cafés und überall sorgsam restaurierte Gebäude mit urigen Fensterläden. Rovinj strahlt eine einzigartige Mischung aus mediterraner Entspanntheit und lebendigem Stadtflair aus. Hinter jeder Ecke warteten neue Überraschungen und perfekte Fotomotive, sei es ein kleiner Platz, eine verborgene Treppe oder ein traumhafter Blick aufs Meer.
Der gemeinsame Rundgang durch diese Stadt wurde durch die Begleitung von Tanja und Sven, die hier auf ihrer Rückreise einen Zwischenstopp einlegten, zu etwas ganz Besonderem. Zusammen entdeckten wir charmante Läden, ließen uns vom mediterranen Ambiente verzaubern und genossen das Gefühl, einfach die Zeit treiben zu lassen. Natürlich durfte ein leckeres gemeinsames Essen nicht fehlen. Bei gutem Essen und anregenden Gesprächen verging der Tag wie im Flug.
Weiterfahrt Richtung Süden – Über Pula nach Lošinj
Nach den schönen Tagen in Rovinj führte uns unsere Reise weiter entlang der istrischen Küste vorbei an Pula. Schon von See aus war die Stadt mit ihrer langen Geschichte beeindruckend. Besonders das berühmte Amphitheater ist selbst vom Wasser aus gut zu erkennen und erinnert daran, wie stark diese Region von den Römern geprägt wurde.
Unser eigentliches Ziel lag jedoch weiter südlich: eine ruhige Bucht auf der Insel Lošinj.
Dort fanden wir genau das, was das Leben auf dem Wasser für uns so besonders macht, absolute Ruhe. Kein Hafenlärm, keine Menschenmengen, nur das sanfte Schaukeln des Bootes, glasklares Wasser und die Natur ringsum.
Die Insel Lošinj wird nicht umsonst „Insel der Vitalität“ genannt. Dichte Pinienwälder reichen bis ans Meer, die Luft duftet nach Kräutern und Salz, und selbst in den Buchten spürt man diese besondere Ruhe.
Während Fabian mit dem Dinghi unterwegs war, nutzte Jasmin die Gelegenheit, die Insel zu Fuß zu erkunden. Kleine Wege führten entlang der Küste durch die mediterrane Landschaft, vorbei an Steinmauern, duftenden Pinien und immer wieder mit herrlichen Blicken aufs Meer. Später holte Fabian sie wieder mit dem Dinghi ab – einer dieser einfachen Momente, die unterwegs zu kleinen Ritualen werden.
Der Jugo zieht auf
Doch das Wetter blieb unbeständig. Schon bald kündigten dunklere Wolken und zunehmender Wind den nächsten Wetterumschwung an. Ein kräftiger Jugo zog auf – jener warme Südwind der Adria, der oft hohe Wellen und unangenehme Bedingungen mit sich bringt.
Die Weiterfahrt wurde zunehmend ungemütlich, weshalb wir beschlossen, rechtzeitig Schutz im Hafen von Mali Lošinj zu suchen. Eine gute Entscheidung, denn kurz darauf zeigte sich die Adria wieder von ihrer raueren Seite.
Mali Lošinj – Mediterranes Leben zwischen bunten Fassaden
Mali Lošinj empfing uns dagegen freundlich und lebendig. Der Hafen zieht sich tief in eine geschützte Bucht hinein und die bunten Häuserfassaden verleihen der Stadt ein fast postkartenreifes Panorama.
Die Zeit im Hafen nutzten wir, um die Stadt und die Insel näher kennenzulernen. Entlang der Uferpromenade reihten sich Cafés, kleine Restaurants und Geschäfte aneinander. Trotz des wechselhaften Wetters herrschte eine entspannte Atmosphäre.
Besonders schön waren die Spaziergänge oberhalb der Küste. Von dort boten sich immer wieder fantastische Ausblicke auf die vorgelagerten Inseln und das tiefblaue Wasser der Kvarner Bucht. Lošinj besitzt eine besondere Mischung aus maritimem Leben, mediterraner Natur und angenehmer Gelassenheit.
Ein Ausflug voller Erinnerungen – Mit dem Katamaran nach Cres
Während die Ventus sicher im Hafen blieb, nutzten wir die Gelegenheit für einen Ausflug mit dem Schnellkatamaran nach Cres.
Dieser Besuch war für uns weit mehr als nur ein Tagesausflug. Mit Cres verbinden wir viele Erinnerungen, denn vor vielen Jahren verbrachten wir dort gemeinsam mit unseren Kindern Urlaub. Manche Orte schaffen es, Erinnerungen sofort wieder lebendig werden zu lassen. Genau so fühlte es sich an, als wir durch die vertrauten Gassen liefen.
Cres begeistert mit seiner ruhigen, authentischen Atmosphäre. Die historische Altstadt mit ihren engen Steingassen, kleinen Innenhöfen und alten Häusern wirkt fast unverändert. Fernab vom großen Touristentrubel scheint die Zeit hier ein wenig langsamer zu vergehen.
Es war ein besonderer Tag voller Erinnerungen, Geschichten und schöner Gedanken an vergangene Reisen.
Warten auf ruhigeres Wetter
Die Rückfahrt nach Mali Lošinj verlief bereits deutlich schaukeliger. Das nächste Schlechtwettergebiet kündigte sich an und erneut zeigte die Adria ihren wechselhaften Charakter.
Nun liegen wir an diesem wunderschönen Ort und warten auf ruhigere Bedingungen für die Weiterreise. Doch genau das gehört für uns ebenso zum Leben an Bord: nicht nur das Unterwegssein selbst, sondern auch das Innehalten, das Ankommen und das bewusste Genießen der Orte, an denen man wetterbedingt etwas länger bleibt.
Und während draußen der Wind an den Leinen zieht, wächst bereits die Vorfreude auf die nächsten Etappen unserer Reise entlang der Adria.

